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Stadtratswahlen Schaffhausen 2016, Katrin Bernath, Grünliberale
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Kli­ma­schutz

Stel­lung­nah­me des Stadt­rates zum Pos­tu­lat von Bea Will «Aus­ru­fung des Kli­ma­not­stands», Sit­zung des Gros­sen Stadt­ra­tes vom 3. Sep­tem­ber 2019

 

Das Pos­tu­lat von Gross­stadt­rä­tin Bea Will ver­langt die Erklä­rung des Kli­ma­not­stan­des und einen Bericht zu ent­spre­chen­den Mass­nah­men. Der Stadt­rat nimmt wie folgt Stel­lung:

1.    Ein­lei­tung

Wie der Stadt­rat bereits in der Stel­lung­nah­me zum Pos­tu­lat “Mass­nah­men für eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt” fest­ge­hal­ten hat, ist der Kli­ma­wan­del eine der gröss­ten Her­aus­for­de­run­gen unse­res Jahr­hun­derts. Wir kom­men nicht umhin, zwei­glei­sig zu fah­ren: Einer­seits die deut­li­che Reduk­ti­on der Treibhausgas-Emissionen für einen wir­kungs­vol­len Kli­ma­schutz, ander­seits die Rea­li­sie­rung von Mass­nah­men zur Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del, um eine attrak­ti­ve und lebens­wer­te Stadt zu erhal­ten.

Mit der Über­wei­sung des Pos­tu­lats für eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt hat der Gros­se Stadt­rat den Auf­trag erteilt, einen Bericht zu den Anpas­sungs­mass­nah­men zu erar­bei­ten. Im Pos­tu­lat, das wir heu­te dis­ku­tie­ren, geht es um den Kli­ma­schutz, d.h. die Reduk­ti­on der Treib­haus­gas­emis­sio­nen.

2.    Aus­gangs­la­ge welt­weit und in Schaff­hau­sen

Bereits vor Jahr­zehn­ten erkann­ten For­scher die Bedro­hung des Kli­ma­wan­dels bzw. der damit ver­bun­de­nen Fol­gen für die Natur und die Men­schen. Seit der ers­ten Kli­ma­kon­fe­renz vor 40 Jah­ren wur­den wei­te­re Erkennt­nis­se zur Erd­er­wär­mung und den damit ver­bun­de­nen Fol­gen gewon­nen und mit der Kli­ma­kon­ven­ti­on 1992 wur­den erst­ma­lig inter­na­tio­na­le Zie­le zur Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen ver­ein­bart. Im Jahr 2015 haben sich 195 Staa­ten im Pari­ser Abkom­men dazu ver­pflich­tet, die welt­wei­te Erwär­mung auf maxi­mal 1.5°C im glo­ba­len Mit­tel zu begren­zen. Dazu sol­len die Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2030 hal­biert wer­den.

Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zei­gen, dass das der­zei­ti­ge Tem­po und Aus­mass der Kli­ma­schutz­mass­nah­men nicht aus­rei­chen, um erheb­li­che Schä­den für Wirt­schaft, Umwelt und die mensch­li­che Gesund­heit in den kom­men­den Jahr­zehn­ten abzu­wen­den. Auch hier in Schaff­hau­sen lei­den wir bereits unter Fol­gen des Kli­ma­wan­dels, was sich bei­spiels­wei­se letz­tes Jahr mit dem Fisch­ster­ben im Rhein zeig­te. Bedenk­lich ist auch der Zustand unse­rer Wäl­der. Durch Stür­me, Tro­cken­heit und Käfer­be­fall als Fol­ge arbei­ten die Forst­diens­te heu­te im Kri­sen­mo­dus und auch die Holz­märk­te sind aus dem Gleich­ge­wicht gera­ten.

Für aus­führ­li­che­re Erläu­te­run­gen zum Kli­ma­wan­del und sei­nen Fol­gen ver­wei­se ich auf die Stel­lung­nah­me zum Pos­tu­lat “Mass­nah­men für eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt”.

3.    Mass­nah­men in der Stadt Schaff­hau­sen

Der Stadt­rat setzt sich nicht erst seit den aktu­el­len öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen für den Kli­ma­schutz ein. Als Ener­gie­stadt setzt Schaff­hau­sen bereits seit vie­len Jah­ren Mass­nah­men zur Reduk­ti­on und Sub­sti­tu­ti­on des Ver­brauchs fos­si­ler Ener­gie­trä­ger um.

  • Zum Bei­spiel im Gebäu­de­be­reich, der im schwei­ze­ri­schen Durch­schnitt rund einen Vier­tel der CO2-Emis­sio­nen aus­macht: Ersatz von Ölhei­zun­gen, För­de­rung von Gebäu­de­hül­len­sa­nie­run­gen, Richt­plan Ener­gie zur räum­li­chen Koor­di­na­ti­on eines schritt­wei­sen Umbaus der Wär­me­ver­sor­gung, Sanie­rung der eige­nen Gebäu­de nach dem Gebäu­de­stan­dard der Ener­gie­städ­te (gemäss Beschluss des GSR)
  • Zum Bei­spiel im Ver­kehr, der für rund ein Drit­tel der Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich ist: Das Gesamt­ver­kehrs­kon­zept aus dem Jahr 2008 stellt die Grund­la­ge für die Ent­wick­lung dar, die einer­seits eine gute Erreich­bar­keit sicher­stellt und ande­rer­seits die nega­ti­ven

Aus­wir­kun­gen des Ver­kehrs auf die Umwelt mini­miert; kon­kre­te Mass­nah­men sind ein gut aus­ge­bau­ter öffent­li­cher Ver­kehr, Elek­tro­bus­se (bis­her Trol­ley, zukünf­ti­ger Ersatz Die­sel­bus­se) und wei­te­re Pro­jek­te, die im Rah­men der Agglo­me­ra­ti­ons­pro­gram­me rea­li­siert wer­den.

Die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zei­gen aller­dings, dass es auf allen staat­li­chen Ebe­nen zusätz­li­che wir­kungs­vol­le Mass­nah­men braucht. Wir sind als Stadt dar­auf ange­wie­sen, dass auch auf kan­to­na­ler, natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebe­ne Mass­nah­men ergrif­fen wer­den. Ins­be­son­de­re müs­sen die wah­ren Kos­ten fos­si­ler Ener­gie­trä­ger in den Prei­sen abge­bil­det und heu­te immer noch bestehen­de Sub­ven­tio­nen für Heiz- und Treib­stof­fe abge­schafft wer­den. Die Ein­füh­rung ent­spre­chen­der Instru­men­te mit Len­kungs­wir­kung war auf natio­na­ler Ebe­ne bis­her nur beschränkt mög­lich und wir sind auch als Stadt gefor­dert, ergän­zen­de Mass­nah­men zu rea­li­sie­ren.

Das Pos­tu­lat ver­langt, dass dem Par­la­ment Bericht erstat­tet wird über die Mass­nah­men, die zur Reduk­ti­on des Kli­ma­wan­dels oder des­sen Fol­gen ergrif­fen wer­den.

Für die­se Bericht­erstat­tung besteht bereits ein Auf­trag des Gros­sen Stadt­rats:

  • Der Auf­trag für einen Bericht zu den Anpas­sungs­mass­nah­men wur­de mit der Über­wei­sung des Pos­tu­lats für eine kli­ma­an­ge­pass­te Stadt am 19. Febru­ar die­ses Jah­res erteilt.
  • Bereits bei der Behand­lung der Vor­la­ge zum Energie- und Kli­ma­schutz­kon­zept hat der Gros­se Stadt­rat am 26. August 2014 den Auf­trag erteilt, den Gros­sen Stadt­rat im Rah­men der Öko­bi­lanz über den Zwi­schen­stand hin­sicht­lich Ziel­er­rei­chung und Umset­zung von Mass­nah­men zu infor­mie­ren.

Ein sol­cher Bericht liegt bis­her lei­der nicht vor. Die Daten für die Öko­bi­lanz wer­den zwar alle 4 Jah­re erho­ben, aber die per­so­nel­len Res­sour­cen für die Doku­men­ta­ti­on der Ergeb­nis­se fehl­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. So stammt der letz­te öffent­li­che Bericht zur Öko­bi­lanz aus dem Jahr 2011. Auch im Rah­men des alle 4 Jah­re statt­fin­den­den Energiestadt-Reaudits wer­den Mass­nah­men fest­ge­legt, die den Ver­brauch fos­si­ler Ener­gie­trä­ger redu­zie­ren. Die Rezer­ti­fi­zie­rung steht im kom­men­den Jahr an. Die im Rah­men der genann­ten Erhe­bun­gen und Pro­zes­se gesam­mel­ten Infor­ma­tio­nen sowie dar­aus abge­lei­te­te Mass­nah­men sol­len zukünf­tig in einer Gesamt­sicht zusam­men­ge­führt wer­den. Damit erhal­ten auch das Par­la­ment und die Öffent­lich­keit einen bes­se­ren Ein­blick dazu, wo die Stadt Schaff­hau­sen bezüg­lich Kli­ma­schutz und Kli­ma­an­pas­sung steht und wel­che Mass­nah­men ergrif­fen wer­den.

4.    Kli­ma­not­stand

Der Begriff des “Kli­ma­not­stands” wur­de von der glo­ba­len Klimaschutz-Bewegung geprägt, die damit auf die Dring­lich­keit des Pro­blems hin­weist. Die Dis­kus­sio­nen in ver­schie­de­nen Par­la­men­ten zei­gen, dass der Begriff den Ein­druck erwe­cken kann, dass damit ein Not­stand im Sin­ne von aus­ser­or­dent­li­chen Lagen ver­stan­den wer­den kann, in denen die Regie­rung aus­ser­or­dent­li­che Mass­nah­men ohne gesetz­li­che Grund­la­ge ergrei­fen kann (vgl. Kan­tons­ver­fas­sung Art. 68).

Damit wir hier nicht eine Dis­kus­si­on über den Begriff Not­stand füh­ren müs­sen, macht der Stadt­rat beliebt, im Fal­le einer Über­wei­sung den ers­ten Satz des Pos­tu­lats­tex­tes, der die Erklä­rung des Kli­ma­not­stan­des ver­langt, zu strei­chen. Der Stadt­rat aner­kennt aber die Ein­däm­mung des Kli­ma­wan­dels und sei­ner schwer­wie­gen­den Fol­ge als Auf­ga­be von höchs­ter Prio­ri­tät. Der Fokus soll auf kon­kre­ten Mass­nah­men lie­gen, die auf den bestehen­den Grund­la­gen und Instru­men­ten auf­bau­en.

5.    Fazit

Der Kli­ma­wan­del ist Rea­li­tät und die Bekämp­fung der Kli­ma­er­wär­mung ist eine drin­gen­de Auf­ga­be von glo­bal höchs­ter Prio­ri­tät. Auch in der Stadt Schaff­hau­sen sind die Fol­gen bereits spür- und sicht­bar. In Ergän­zung zu natio­na­len und inter­na­tio­na­len Anstren­gun­gen, sind auch Mass­nah­men auf regio­na­ler und loka­ler Ebe­ne not­wen­dig. Der Stadt­rat nimmt die­se Ver­ant­wor­tung nicht erst seit heu­te wahr, als ers­te Ener­gie­stadt der Schweiz hat sich Schaff­hau­sen bereits seit bald 30 Jah­ren zu einem sorg­sa­men Umgang mit den end­li­chen Res­sour­cen ver­pflich­tet.

Der Stadt­rat erkennt die Not­wen­dig­keit, mit zusätz­li­chen Mass­nah­men Ver­ant­wor­tung für unser Kli­ma und die zukünf­ti­gen Genera­tio­nen zu über­neh­men. Das ist nur in Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Städ­ten, mit dem Kan­ton, der Wirt­schaft und schliess­lich mit dem Enga­ge­ment der gesam­ten Bevöl­ke­rung mög­lich. Der Stadt­rat will auch die Poten­zia­le für eine effi­zi­en­te­re Nut­zung der Res­sour­cen nut­zen, die sich bei der Ent­wick­lung zur Smart City erge­ben.

In die­sem Sinn hat der Stadt­rat Ver­ständ­nis für die For­de­run­gen des Pos­tu­lats und der Jugend­li­chen, die sich für ihre Zukunft ein­set­zen. Wie bereits erwähnt, erach­tet es der Stadt­rat als sinn­voll, die Mass­nah­men zum Kli­ma­schutz und zur Kli­ma­an­pas­sung in einem Bericht zusam­men­zu­füh­ren. Da die ent­spre­chen­den Auf­trä­ge bereits bestehen, emp­fiehlt der Stadt­rat, das Pos­tu­lat in eine Inter­pel­la­ti­on umzu­wan­deln.